Ich bin ein glücklicher Mensch

Rückblicke

Oktober 2018

Eine Woche war ich aufgrund unklarer Bauchbeschwerden im Krankenhaus zur Diagnostik und Abklärung. Wieder Oktober und das gleiche Krankenhaus. Mir war schon ein bisschen komisch zu Mute. Letzlich wurde aber die Ursache der Beschwerden gefunden und damit auch behoben und – was meinen obigen Kalenderzettel bestätigt – ich wurde von einem relativ großen „auffälligen“ Polypen befreit, der mit Sicherheit zu einer ernsthaften Erkrankung geführt hätte- –

Glück gehabt, wie auch damals im Oktober 1995 als mir eine Diagnose wirklich Angst machte.

Oktober 1995

    sieben tage

    und wieder warten
    auf das was mein leben
    meinen tod bestimmt

    und flüchten in
    die tiefen meiner seele
    an die oberfläche der welt

    und vorbereiten auf
    das was nicht ausgesprochen
    werden darf

    verdrängen, fliehen
    hoffen und warten
    auf leben

Die weißen Räume

Als ich aus den stillen weißen Räumen, mit den stillen weißen Lichtern und den stillen weißen Menschen zurückkehrte: in das Zwielicht meiner Welt, eine Welt von der ich mich versuchsweise verabschiedet hatte, eine Welt mit Farben und Schattierungen, mit Tönen und Zwischentönen und mit Menschen, so vielen lauten Menschen, überkam mich die Angst.

Ich wollte diese Welt nicht mehr, die ständige Herausforderung, die Verantwortung, die Forderungen anderer. Bereit zu gehen, hatte ich abgeschlossen mit dieser Welt, mich zurückgezogen, Ruhe gefunden. Noch war mein Körper geschwächt, ich konnte mich verstecken in dem Dunkel meines Schlafzimmers für eine kurze Zeit. Doch der böse Geist der Vernunft stellte seine Forderungen: „Steh auf! Beweg Dich! Geh nach draußen! “ und „Sprich mit den anderen!“ Mechanisch, als wäre ich willenlos (ich war willenlos) befolgte ich meine Befehle.

Ich stand morgens auf, verließ mein Zimmer und erledigte, wenn auch mühsam, einige der erlernten, trainierten Tätigkeiten des Alltages. Ich verließ das Haus und ging langsam, mühsam, einige bekannte Wege. Nicht zu viel, nicht zu weit. Jeden Tag ein wenig mehr, ein wenig weiter. Ich gab Antworten, wenn man mich fragte aber ich sprach nicht.

Fast unmerklich glitt ich zurück in meine alte Fassade. Sie funktionierte wieder.

Weißt Du, was seltsam war? An dem Morgen des Tages an dem ich zurückkehrte, kam die Ärztin, wie jeden Morgen, zur Visite und stellte ihre Fragen. Als sie ging, sagte sie nicht wie jeden Morgen: „Auf Wiedersehen“. Sie sah mich mit sonderbarem Blick an, eindringlich und sagte „Tschüss“. Ich antwortete: „Auf Wiedersehen“, wie jeden Morgen und sie sagte noch einmal: „Tschüss!“.

Ich glaubte ihr nicht und schwieg.
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Alles ist gut!